Pressemitteilung vom 29. April 2009 – 10. Tag der Besetzung der Philosophischen Fakultät in Zagreb

Wir wiederholen noch einmal, warum die Empfehlung aus der Pressemitteilung der Rektorenversammlung keine Antwort auf unsere Forderung ist, sondern bloß deren wiederholte Vermeidung. Das rein rhetorische Zugeständnis der prinzipiellen Unterstűtzung der kostenlosen Hochshulausbildung in der Mitteilung der Rektorenversammlung wurde etwas später durch das Berufen auf das sogennate “Kriterium des Erfolgs” widerrufen. Jedoch ist das nur eine Chiffre für das Bestehen auf dem “linearen Modell der Bezahlung” ,das eine Minderheit von den Studiengebühren befreit ,um damit die Tatsache zu verdecken, dass die große Mehrheit der Studierenden auch weiterhin für ihr Recht auf die Ausbildung zu bezahlen hat. Sich in diesem Kontext auf das “Kriterium des Erfolgs” zu berufen ist schon deswegen absurd, weil solche Kriterien schon immer vorhanden sind: Aufnahmeprüfungen, Notwendigkeit zur regelmäßigen Erfüllung der Studienverpflichtungen und das System der Notengebung sind schon jetzt Bestandteil des Ausbildungsprozesses. Jedes Studienfach hat seine eigenen Kriteren definiert und den erforderlichen Wissensstand für die Studienfortsetzung festgelegt. Die Bedeutung des Wortes “Erfolg” auf 10 oder 15 Prozent der Studierenden zu begrenzen heißt stillschweigend alle anderen Studenten, die regelmaßig ihre Aufgaben erfüllen, in die Schublade der “Erfolglosen”zu stecken; was nichts weiter als ein zynisches Zwischenstadium hin zur endlichen Abschaffung des Rechts auf die gebührenfreie Ausblidung darstellt.

Die Kollegen der Hochschulen in denen das lineare Modell der Bezahlung verwendet wird, wodurch nur eine kleine Minderheit der Studierenden mit der besten Durchschnittsnote von den Studiengebühren befreit ist, haben uns eine erstaunliche Tatsache mitgeteilt: Seit der Einführung dieses Bezahlungsmodells ist die Vermittlung von Wissen zwischen den Studierenden eingestellt. Sie helfen sich gegenseitig nicht mehr, beraten sich nicht mehr, sie teilen weder Literatur und Empfehlungen miteinander noch besprechen sie zusammen das Gelernte, weil sie sich gegenseitig als unmittelbare Konkurrenz empfinden. Außer der potenziell katastrophalen Wirkung auf der Ebene der horizontalen Verbreitung von Fachwissen in der angeblichen “Gesellschaft des Wissens”, sollte man sich die Frage stellen, welche Art der sozialen Ethik propagiert und reproduziert wird, wenn die höchsten Ausbildungseinrichtungen explizit nach der pädagogischen Logik des Sozialdarwinismus funktionieren. Das ideologische Fundament im Wesen der Pädagogik ist der Glaube daran, dass der offene und störungsfreie Marktwettbewerb einen solchen Wert darstellt, der alle anderen etischen, sozialen und politischen Werte übertrifft. Diesem Wert müssen alle anderen Absichte und Ziele unterworfen werden. Wenn es in einem solchen Modell keinen Platz für das Recht auf Bildung gibt, so bedeutet dies, dass ein solches Modell unakzeptabel ist, mit welchen rhetorischen Finessen es auch geschmückt wird. Der Sinn der Aktion der Studenten ist es, klar und entschieden einem solchen Modell zu widersprechen.

Wir grüßen noch einmal alle Studenten, die mit uns an der Studentenbewegung teilnehmen, und zwar diejenigen in Zagreb, Zadar, Rijeka, Split, Osijek, Pula, Varaždin und Slavonski Brod. Des weiteren rufen wir auch die Professoren zur aktiven Solidarität auf, trotz des unbestritten großen institutionalen Drucks. Wir verteidigen nicht nur das Teilrecht auf Bildung, sondern auch die politische und soziale Würde von uns allen, die wir Teil des Bildungswesens sind.

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